Mercedes-Benz CLK 63 AMG

Fahrbericht Mercedes CLK 63 AMG

Freitag, 07.04.2006, 15:34 von FOCUS-Online-Redakteur

AMG stellt um: Statt viel Hubraum und Aufladung mittels Kompressor gibt es bei der sportlichen Mercedes-Tochter jetzt richtig viel Hubraum mit etwas mehr Drehzahl. Das beschert dem kleinsten Stuttgarter Coupé einen gewaltigen Leistungssprung: Während der CLK bislang nur mit dem kompressorlosen 5,5-Liter-V8 und 367 PS zu haben war, gibt es jetzt den CLK 63 AMG mit sage und schreibe 481 PS. Das reicht selbst für die aufmüpfigen Ingolstädter, deren Hochdrehzahl-V8 im RS4 „nur“ 420 PS bringt. Und könnte fast zu viel sein für ein Coupé, das im Wesentlichen auf der kompakten C-Klasse aufbaut.

Karosserie/Innenraum

 

Neues Felgendesign, neue Schürze, bekannte Karosse: CLK 63 AMG

Außen unauffällig

Das Gehäuse des Zweitürers ist sattsam bekannt und auch mit Stoffverdeck zu haben. Angesichts der zügigen Erneuerung der Mercedes-Modellpalette sind die Jahre am Design des CLK nicht spurlos vorübergegangen: Im Kreise von M- und S-Klasse wirkt er etwas angegraut.

Auch in der AMG-Version bleibt es bei der schlanken Silhouette. Spur und Räder sind zwar breiter als bei den schwächeren Brüdern, aber Schwellungen sind keine an der Karosse festzustellen. Das bleibt einer schärferen Version mit sportlicherem Fahrwerk vorbehalten, die bereits in Vorbereitung ist.

Das Interieur ist nur maßvoll modifiziert, gegenüber dem CLK 55 AMG sogar nur minimal. Kein Fortschritt sind die neu skalierten Instrumente: Ihr Design ist zwar Geschmackssache, aber die Ablesbarkeit ist eher schlechter als bei den klassisch nüchternen Mercedes-Uhren.

Spitze sind nach wie vor die elektrisch einstellbaren Sportsitze mit Multikonturfunktion, Sitzheizung sowie Nappalederbezug. Hinten geht es ganz Coupé eher eng zu – aber da will bei diesem Auto ohnehin keiner sitzen.

Fahrwerk/Fahrverhalten

Komfort statt knallhart

So viel Motor – das lässt auf entsprechende Vorsichtsmaßnahmen beim Fahrwerk – sprich Härte – schließen. Weit gefehlt. Der CLK 63 AMG gibt sich beim Komfort enorm verbindlich. Speziell das Ansprechverhalten ist trotz der 18-Zoll-Bereifung überraschend gut. Bei tieferen Unebenheiten wird dann allerdings eine gewisse Straffheit spürbar, mit der sich allerdings selbst auf sehr schlechten Straßen gut leben lässt.

Kein Go-Cart

Der Verzicht auf extreme Sportlichkeit wirkt sich freilich auch auf das Handling aus. Die Seitenneigung ist gut spürbar, und so kurvengierig wie der im Vergleich fast nervöse BMW M3 etwa ist der CLK 63 nicht. Wobei Kurvengeschwindigkeiten und Fahrsicherheit dennoch auf enorm hohem Niveau liegen.

Nur mit Elektronik gefahrlos zu genießen

Dabei hilft das eigens abgestimmte ESP, das den Kraftprotz gut im Griff hat, ohne zu viel Leistung wegzuregeln. Nur in den unteren Gängen wirken die 630 Nm ein wenig eingebremst, selbst wenn die ESP-Leuchte gerade nicht leuchtet. Das lässt sich allerdings jederzeit provozieren, denn die enorme Leistung überflügelt Haftungsgrenzen der Antriebsachse jederzeit spielend. Extrovertierte können spielend auf der Stelle drehen – mit viel Qualm und schwarzen Strichen wie Bernd Schneider nach einem DTM-Sieg.

Motor/Getriebe

Passt: 6,2-Liter-V8 im CLK

Passt: 6,2-Liter-V8 im CLK

Sowohl als auch oder weder noch?

Der neue Motor von AMG soll das bessere Hochdrehzahlkonzept sein: Drehfreude wie bei den Konkurrenten von Audi und BMW, aber praxisgerechte Durchzugskraft, wie sie die bisherige Volumenmaschine, ein 5,5-Liter mit Kompressor, im Überfluss bot. Dazu spendierten die Schwaben dem neuen V8 ein sportliches Layout und schenkten einfach den Hubraum besonders reichlich ein: Sage und schreibe 6,2 Liter Hubraum erinnern fast schon an alte US-Maschinen.

Schub ohne Ende

In der Praxis gelingt der Schwabenstreich, oder nicht – je nachdem von welcher Ausgangsposition das Ergebnis betrachtet wird: Der neue Riesen-Saugmotor ist deutlich drehfreudiger und vor allem spontaner am Gas als der alte Kompressor-Hammer. Das Luftholen des Laders entfällt, bei der kleinsten Gaspedalbewegung beißt der Vierventiler (vorher: drei) in den Antriebsstrang mit jetzt sieben Gängen (vorher fünf). Die Folge: Das vergleichsweise kompakte Coupé zieht davon, wie von einem superstraff gespannten Gummiseil gezogen. Das nimmt kein Ende und bleibt von Steigungen jeglicher Art weitgehend unbeeindruckt. Das Gefühl, das diese enorm souveräne Motorisierung hinterlässt, ist mit der Beschleunigungszeit von 4,6 Sekunden auf 100 km/h nur sehr unvollkommen beschrieben.

Andererseits, und da gelingt auch in diesem Fall die Quadratur des Kreises nicht, ist der Durchzug bei niedrigen Drehzahlen zumindest subjektiv nicht ganz so bullig wie im aufgeladenen Vorgänger und gleichzeitig sind die hohen Drehzahlen längst nicht so charakterbildend wie etwa in einem M5. Die 7000 U/min des großen V8 erreicht mancher Großserienmotor, ohne das Etikett „Hochdrehzahlkonzept“. So gesehen fährt sich ein AMG 63 ein bisschen wie ein besonders starker Mercedes – was ja durchaus folgerichtig ist.

Spitzen-Automatik

Dazu passt die hervorragende Automatik. Sie lässt den V8 im manuellen Modus gnadenlos in den Begrenzer drehen, wenn es der Fahrer will oder einfach nicht mit dem Schalten hinterherkommt, sortiert die Gänge im Expresstempo und lässt bei manuellen Schaltkommandos bis zur Umsetzung keine Ewigkeiten vergehen. Andererseits ist im Cruise-Modus mehr komfortable Gelassenheit möglich als es den Fahrleistungen angemessen erscheint.

Üppiger Verbrauch

Aber selbst dann will der viele Hubraum anständig gefüttert werden: Die 14,2 Liter, die Mercedes als EU-Norm-Verbrauch angibt, dürften nur besonders charakterstarke Schleicher erreichen. Wer nur ein wenig von der süßen Verführung der 481 PS nascht, sollte sich auf knapp 20 Liter einstellen.

Kosten

Kostenfaktor: Der Verbrauchswert des Bordcomputers ist realistisch

Preise wie beim BMW M5
87 597 Euro will AMG für den CLK 63. Ohne festes Dach sind es 93 322 Euro. Der Vorgänger (CLK 55 AMG) blieb noch knapp unter 80 000 Euro, hatte aber auch „nur“ 367 PS. So gesehen geht der Aufpreis für das neue Modell mit 0,7 Litern mehr Hubraum, 114 Mehr-PS und zwei zusätzlichen Gangstufen in Ordnung.

Direkte Konkurrenz ist so einfach nicht zu finden: Ein M6 (108 500 Euro) ist etwas stärker, basiert aber vor allem fahrwerkstechnisch auf der etwas ausgefeilteren 5er-Technik. In deren Gehäuse gibt es die 507 PS ebenfalls – für vergleichsweise wohlfeile 86 200 Euro. Daran muss sich dann die E-Klasse mit dem neuen Motor messen lassen, die jetzt in New York vorgestellt wird.

Audis RS4 mit 4,2-Liter Hubraum und 420 PS kostet nur knapp 70 000 Euro und bietet ähnliche Fahrleistungen. Er dürfte bei den Beschleunigungswerten aus dem Stand vom Allradantrieb profitieren. Lässig vorgetragene Überholmanöver dürften hingegen eher die Domäne des Benz sein.

Datenblatt

Typ Mercedes-AMG CLK 63 AMG
Motor V8
Hubraum (cm3) 6208
Leistung in PS (KW) bei U/min-1 481 (354) bei 6800
Max. Drehmoment (Nm) bei Umin-1 630 Nm bei 5000 U/min
Höchst-
geschwindigkeit (km/h)
250
Beschleunigung 0-100 km/h (sek.) 4,6
Getriebe 7-Gang, Automatik
Antrieb Heck
Treibstoffsorte Super
Verbrauch EU-Drittelmix (l/100 km) 14,2
CO2-Ausstoß (g/km) 331
Preis (Euro) 87.597,00 €
Abgasnorm EU4

Fazit

Das pfeilschnelle AMG-Coupé ist kein Krawallbruder, sondern ein Kandidat für die besonders zügige aber dennoch entspannte Reise: Gerd Stegmaier über den Mercedes CLK 63 AMG

Gut sechs Liter Hubraum, sieben Gänge, acht Zylinder und fast 500 PS – der CLK 63 AMG bietet schon nach der Papierform Powerplay ohne Ende. Eines geht mit dem jüngsten AMG-Motor nie zur Neige: Leistung. Mit dem Sprit könnte das anders sein, aber das wird niemanden überraschen.

Beeindruckend ist vor allem die enorme Souveränität: Die Lässigkeit, mit der das kompakte Coupé seine brachialen Beschleunigungswerte in den Asphalt brennt, sucht seinesgleichen – so lange das ESP an bleibt. Ohne Elektronik ist all die Leistung nur mehr Schall und Rauch.

Um so überraschender also, dass der starke CLK auch auf der Landstraße eine gute Figur abgibt: er liegt gut und ist trotz des dicken Motors im Bug recht agil. Dass der Komfort dabei nicht zu kurz kommt, passt zur Marke und qualifiziert das Hochleistungscoupé für längere Etappen.

Schade ist allenfalls, dass mit der Einführung des neuen Konzeptes (viel Hubraum und viel Drehzahl) auch etwas auf der Strecke blieb, was sich in kurzer Zeit als AMG-Spezifikum etabliert hatte: viel Hubraum und viel Aufladung.

Plus und Minus

+ enorme Fahrleistungen
+ gute Straßenlage
+ gut abgestimmtes ESP
+ guter Federungskomfort
+ sehr gute Ergonomie und Sitze
+ tolle Automatik mit angemessenem manuellen Modus
+ klasse Motorsound
+ dezente Optik

– hoher Verbrauch
– Traktionsfähigkeit an der Grenze

Bildergallerie

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