Warnung vor betrügerischen Trading-Plattformen

Millionengaunerei im Internet

Ermittler zerschlagen Betrüger-Ring – Hunderttausende Deutsche betroffen

dpa/Jana Pape Donnerstag, 04.07.2019, 09:39

Hackerausrüstung

Eine Gruppe von Kriminellen hat mutmaßlich eine hohe Millionen-Summe durch betrügerische Geldanlage-Plattformen im Internet erbeutet. Unter den Geschädigten sind nach Recherchen von NDR und SR auch tausende Deutsche.

Konkret geht es um sogenannte Trading-Plattformen: Webseiten, auf denen Nutzerinnen und Nutzer vermeintlich schnelle Gewinne mit Wetten auf Aktienkurse, Währungsschwankungen und andere Finanzgeschäfte machen können. Zum Teil bieten die Seiten auch den Handel mit Krypto-Währungen wie etwa Bitcoin  an.

Der Deutsche Karsten L. soll der Kopf einer international agierenden Bande sein, die mehrere solcher Seiten betrieben hat. Davon gehen Ermittlerinnen und Ermittler der Staatsanwaltschaft Saarbrücken aus. Sie führt gemeinsam mit der Zentralen Wirtschaftsstaatsanwaltschaft aus Österreich das vermutlich größte Verfahren gegen derartige Anbieter, das es in Europa je gegeben hat. Die Ermittler werfen dem Mann und vier weiteren Beschuldigten, darunter noch ein Deutscher, gewerbsmäßigen Bandenbetrug vor. Der Anwalt von Karsten L. reagierte auf eine Anfrage nicht. L. sitzt in Wien in Untersuchungshaft, einige der Beschuldigten sind flüchtig.

Betrüger betrieben eigene Callcenter

Die Betrüger warben potenzielle Opfer gezielt in sozialen Netzwerken an. Nach der Anmeldung und ersten Einzahlungen wurden die Geschädigten in vielen Fällen von selbsternannten Beratern per Chat-Nachrichten und Anruf auf scheinbar besonders lukrative Gelegenheiten hingewiesen und dazu gedrängt, mehr Geld einzuzahlen. Das belegen Chat-Protokolle, die die Reporter von NDR und SR einsehen konnten.

Aufgabe der Berater sei es nach Auffassung der Ermittler gewesen, die Kunden zu immer neuen Einzahlungen zu bewegen. Wie der SR schreibt, hätten einige Opfer davon berichtet, dass sie massiv unter Druck gesetzt wurden.

Den Recherchen zufolge sollen die Betrüger sogar eigene Callcenter betrieben haben, von wo aus sie ihre Opfer telefonisch unter Druck gesetzt haben sollen. Eins dieser Callcenter wurde vor wenigen Wochen im Kosovo durchsucht. Weitere Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem Ermittlungsverfahren gab es in Österreich, Deutschland, Bulgarien und Tschechien. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft Saarbrücken gegenüber SR und NDR.

Mehr als 200.000 Deutsche in den Kundendateien

Geschädigte berichten davon, dass das Auszahlen von vermeintlich erzielten Gewinnen von den Plattform-Betreibern durch mutmaßlich fingierte Software-Fehler verhindert worden sein soll. In anderen Fällen waren die persönlichen Berater plötzlich verreist und konnten die Auszahlungen nicht durchführen. Am Ende stand für nahezu alle Betroffenen ein Totalverlust der eingezahlten Gelder. Die Staatsanwaltschaft geht offenbar dem Verdacht nach, dass auf den Plattformen ohnehin überhaupt kein Handel mit den Geldern stattgefunden hat – hinter den virtuellen Geschäften also nie echte Finanztransaktionen steckten, sondern die mutmaßlichen Betrüger von Anfang an nur das eingezahlte Geld abzweigen wollten.

Die Ermittler gehen davon aus, dass die Gruppe um L. fünf Plattformen betrieben hat: Die Seiten “Option888”, “TradeInvest90”, “XMarkets.com”, “ZoomTrader” und “TradoVest”. In den Kundendateien allein dieser Anbieter finden sich offenbar die Namen von mehr als 200.000 Deutschen. Ob jeder der Kunden Geld verloren hat und wenn ja, wie viel, ist derzeit unklar. Allein in Saarbrücken werden derzeit 233 Strafanzeigen im Zusammenhang mit den Trading-Plattformen bearbeitet. Der dort genannte Schaden beläuft sich auf fast 9,5 Millionen Euro. Im Durchschnitt hat jeder Geschädigte mehr als 40.000 Euro verloren. Rechnet man den Schaden hoch, könnte die Bande Hunderte Millionen mit den fünf Plattformen erbeutet haben.

Verfahren mit “außergewöhnlicher Dimension”

Das Ermittlungsverfahren habe eine “außergewöhnliche Dimension”, zitiert der SR den leitenden Oberstaatsanwalt Saarbrücken, Michael Görlinger. “Es haben im laufe der Ermittlungen 35 Durchsuchungsverfahren stattgefunden, über fünf europäische Länder verteilt.”

Dass die Opfer ihr Geld jemals wiedersehen, ist fraglich. Es wird davon abhängen, wieviel die Ermittler auf den Konten der Betrüger finden und ob sie noch anderes Vermögen wie etwa Immobilien sicherstellen können. “Es sind Dramen, die sich da abspielen”, zitiert der SR die Wiener Wirtschaftsprüferin Elfriede Sixt, die Betrugsopfern hilft. “Es gibt Familien, da haben der Vater, der Sohn und eventuell auch noch die Tante investiert.”

Infrastruktur auf 387 Webseiten entdeckt

Die Aktivitäten der Gruppe könnten sogar noch deutlich umfangreicher gewesen sein, als die Staatsanwaltschaft es L. vorwirft: Nach Informationen von NDR und SR haben die Ermittler bei Durchsuchungen im Ausland Unterlagen sicherstellen können, die darauf hindeuten, dass dieselbe Infrastruktur, mit der diese fünf Plattformen betrieben worden ist, bei insgesamt 387 Webseiten zum Einsatz gekommen sein könnte. Inwiefern L. und die weiteren Beschuldigten mit diesen Seiten zusammenhängen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Hauptverdächtiger ist schon länger im Online-Geschäft

Karsten L. soll aus seiner Untersuchungshaft in Österreich demnächst in Saarland ausgeliefert werden. Der 55-Jährige ist schon länger im Internet geschäftlich tätig. Wie der SR unter Berufung auf die Finanznachrichtenagentur Bloomberg schreibt, eröffnete er schon Mitte der 90er Jahre eines der ersten Online-Casinos. Auch beim Aufbau einer bekannten Online-Poker-Plattform soll er beteiligt gewesen sein. Bis zu seiner Festnahme lebte L. nach Informationen von SR und NDR in einem Tirlorer Fünf-Sterne-Hotel und in St. Tropez an der Côte d’Azur.

Wann Anklage erhoben werden soll, ist bisher unklar. Die Ermittler müssen laut SR noch eine Flut an Daten auswerten. Bei verschiedenen Razzien seien Dateien mit einer Größe von insgesamt fünf Terabyte gesichert worden.

Wie Anleger sich schützen können

Das fatale: Bei den anderen verdächtigen Webseiten geht das Geschäft ungehindert weiter. Anleger sollten daher vorsichtig sein. Seriös sind solche Anbieter nur dann, wenn sie eine EU-Lizenz besitzen. Dafür hat die Bankenaufsicht BaFin eine Online-Datenbank eingerichtet, in der all diese Lizenznehmer einsehbar sind.

Außerdem sollten Nutzer darauf achten, dass ein Trading-Portal ein Impressum und eine klar angegebene Kontaktperson besitzt. Nutzer sollten auf jeden Fall stutzig werden, wenn der Berater aus dem Ausland anruft oder Auszahlungen vom Konto einschränkt oder gar verweigert.

Quelle: https://www.focus.de/finanzen/boerse/millionengaunerei-im-internet-ermittler-zerschlagen-betrueger-ring-hunderttausende-deutsche-betroffen_id_10889242.html geladen am 18.08.2021

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